Unser Flyer für den Stadtteil zum G20-Gipfel

Hamburg, St. Pauli: G20, heißer Sommer?!

Du verlässt deine Wohnung, gehst um die Ecke – und siehe da: ne Polizeikontrolle. Du schaust zum Himmel und siehst: eine Videokamera. Und darüber jede Menge Bundeswehrhubschrauber. Mist, du hast deinen Ausweis vergessen und hörst: „Na, dann kommen Sie mal bitte mit“. Zwei Stunden später, du bist wieder auf der Straße, hörst überall tatütata und um die Ecke rast ein Konvoi mit Polizei, Unmengen Sicherheitsbeamte und gepanzerte Fahrzeuge, in denen die Herrschenden dieser Welt sitzen. Am Abend willst du in der Marktstraße ein Bier auf den Schreck trinken. Geht nicht, ist abgesperrt. Am nächsten Tag will dein Kind an der Ölmühle Geburtstag feiern und freut sich schon drauf. Geht auch nicht. Gruppenbildung in der Sicherheitszone ist verboten.

Spätestens jetzt denkst du: Was machen die aus unserer Stadt? Und dir wird schlecht. All dies passiert, damit Trump, Putin, Erdogan, Merkel und Co. in deiner Stadt beratschlagen, wie sie den Kapitalismus am Leben halten können. Und ihre Devise lautet: Wachstum und immer weiteres Wachstum der Märkte. Weiter geht’s im alten Trott. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Während die einen prassen und schlemmen, müssen andere hungern. Die Gier wächst weiter und Solidarität wird zum Fremdwort.


Vor, während und danach!

Egal wie das Wetter wird, 2017 wird ein heißer Sommer.

Der Beschluss, den G20-Gipfel mal wieder in einer Großstadt abzuhalten, wird uns alle Anfang Juli auf die Probe stellen: Hamburg wird sich im Ausnahmezustand befinden. Die Stadt wird in großen Teilen abgesperrt, Luftraum und Wasserwege werden durch Polizei, Militär und sonstige Dienste „gesichert“ sein. Alle Arten von Kontrollen werden zunehmen und Grundrechte aufgehoben.

Und wozu das alles?

Die Gruppe der Zwanzig (G20) ist ein Treffen der 19 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer plus EU und wurde anlässlich der Finanzkrise in Asien Ende der 1990er Jahre ins Leben gerufen. 2008 wurde die Arbeit der G20 im Zuge der globalen Banken- und Finanzkrise intensiviert. Vertreter_innen der führenden Wirtschaftsnationen und -institutionen kommen zusammen, um angesichts der weltweit krisenhaften Zustände über eine Stabilisierung des globalen Wirtschaftssystems zu beratschlagen. Bei der G20 nicht vertreten sind Regierungen von über 170 anderen Ländern. Gar nicht vertreten sind all diejenigen Menschen, die unter der globalen Ausbeutung leiden und mit den Entscheidungen ihrer Regierungen nicht einverstanden sind.

Aus der Perspektive von vielen Anwohner_innen ist diese Konferenz eine arrogante und selbstherrliche Machtdemonstration.

Auch wenn 2017 unter bundesdeutschem Vorsitz soziale Themen wie Frauen, Flucht und Gesundheit zur Sprache kommen sollen, wird der eigentliche Fokus des elitären Treffens die Sicherung der Gewinnmaximierung für wenige sein. Wohlstand für alle ist kein Thema dieser Ansammlung wirtschaftsliberaler und teilweise autokratischer Regierungen, die sich auf dem G20-Gipfel treffen.

Die globale Krise des Kapitalismus hat weltweit zu einer Zuspitzung der sozialen Ungleichheiten geführt, was auch politische Konflikte in vielen Teilen der Welt verschärft.

Gerade in den letzten Jahren beobachten wir die gefährliche Zunahme chauvinistischer, nationalistischer oder offen rechter Tendenzen. Während progressive und soziale Ansätze von den Regierungen der G20 weltweit bekämpft oder durch Austeritätsprogramme erdrückt werden, finden rechte Ansätze wie die Hetze gegen Geflüchtete und der Abbau sozialer Standards Eingang in Regierungsprogramme.

Willst du das?

Soll es so in Hamburg werden? Fühlst du dich dann noch wohl hier? Wenn deine Antwort „Nein“ ist, dann kannst du etwas tun.

Zeig dir, deinen Kindern, Freund_innen und dem Rest der Welt: So nicht!

Das Wetter können wir nicht ändern, aber auf die Gesellschaft, in der wir leben, haben wir mehr Einfluss, als uns glauben gemacht wird. Wenn du es willst und wir uns zusammenschließen. Und das gilt vor, während und auch nach dem G20-Gipfel.


St. Pauli selber machen!

Die Gesellschaft, in der du lebst, kannst du am ehesten direkt vor deiner Haustür verändern.

St. Pauli ist ein vielfältiger und lebendiger Stadtteil mit einer langen Geschichte an politischem Engagement: Menschen setzen sich ein für menschenwürdige Arbeits-, Lebens- und Wohnverhältnisse, gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus, gegen Polizeiübergriffe – und eben auch gegen den G20-Gipfel.

Als offene Stadtteilvernetzung St. Pauli selber machen wenden wir uns wie viele andere gegen Ausbeutung, Ausgrenzung und Verdrängung – und zwar in unserem Stadtteil, in Hamburg und ebenso in globaler Perspektive. Unsere Utopie besteht aus lokalen, selbstverwalteten Nachbarschaften, die alle Menschen in ihrer Vielfalt willkommen heißen. In unserer Utopie stehen Menschen mit ihren Bedürfnissen im Vordergrund aller Überlegungen und nicht die Verwertung des globalen Kapitals.

Nehmen wir den G20-Gipfel als Herausforderung und Chance:

Werden wir aktiv, um im Juli 2017 gemeinsam mit unseren Gästen aus aller Welt unsere Utopie ein Stück weiter Realität werden zu lassen. Und nehmen wir ihn als Herausforderung, den Verwalter_innen des Kapitalismus in vielfältiger Weise deutlich zu machen, dass ihre Krise nur dann jemals überwunden werden kann, wenn nicht mehr die Rendite zählt, sondern die Menschen.

Du bist herzlich eingeladen, zum Treffen der AG No-G20 von St. Pauli selber machen zu kommen, wenn du aktiv werden willst. Kontaktieren kannst du uns unter nog20@st-pauli-selber-machen.de. Auf der Webseite www.st-pauli-selber-machen.de findest du weitere Infos.

Weitere Infos zu den geplanten Protesten findest du u.a. unter: www.g20hamburg.org. Zur Aktionskonferenz unter: https://www.g20hamburg.org/de/content/zweite-aktionskonferenz.

Auf einer Stadtteilversammlung am Sonntagnachmittag, den 18. Juni, wollen wir uns im Ballsaal des Millerntorstadions noch einmal mit möglichst vielen Nachbar_innen gemeinsam über den bevorstehenden Gipfel und die zu erwartende Situation im Stadtteil informieren sowie über Möglichkeiten des Protestes diskutieren.

Hier gibt es den Flyer gelayoutet als PDF

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