Verdrängung bleibt Verdrängung!
Fritz im Pyjama Hotel vs. Schanzenstern:
So geht’s nicht.

Hamburg, 08.02.2016: Die Aufregung um die Kündigung der Gewerbemieter im Schanzenhof ist zu Recht groß. Die Gebrüder Schommartz zerstören das auf Vielfalt bedachte ehemals städtische Projekt, indem sie der Drogenberatungsstelle Palette, dem Hotel/Bio-Restaurant Schanzenstern, einer Kultur-Etage und einer Boxschule kündigten. Wieder sollen langjährige Gewerbemieter aus der Schanze verschwinden. Besonders irritierend ist die Kündigung des Schanzensterns, der sich über die Miethöhe bereits mit dem Eigentümer einig war. Seine Fläche soll von einer Filiale des Fritz im Pyjama Hotels übernommen werden.

Fritz im Pyjama-Eigentümer Stephan Behrmann hat sich kürzlich beklagt, er werde als „Heuschrecke“ verleumdet. In einer öffentlichen Erklärung hat er den Schwarzen Peter dem Hotel Schanzenstern zugeschoben, weil dieses nicht mit ihm geredet habe, obwohl er immer gesprächsbereit gewesen sei. Die Kritik an seinem Vorgehen sei deshalb ungerechtfertigt.

Diese Darstellung ist so nicht richtig: Stephan Behrmann hat nach eigener Aussage im Elbe Wochenblatt den Eigentümern erstmals Ende 2013 ein Angebot für das Schanzenstern-Gebäude vorgelegt, nachdem ein Makler an ihn herangetreten war. Zu dieser Zeit war auch der Schanzenstern in Gesprächen mit den Eigentümern um einen Folge-Mietvertrag. Im Sommer 2015 bekam Behrmann den Zuschlag, ohne dass es bis dahin ein Gespräch zwischen ihm und den Schanzenstern-Betreibern gegeben hätte.

Das ist für sich genommen noch nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch, dass Behrmann, der selbst in sozialen Projekten auf St. Pauli tätig ist, nicht auf die einfache, naheliegende Idee kam, Ende 2013 beim Schanzenstern nachzufragen, was da los sei. Das wäre eine selbstver­ständliche nachbarschaftliche Geste gewesen. Erst recht in einer Zeit, in der Mieterhöhungen immer mehr Mieter bedrohen, Gewerbemieter*innen ebenso wie Wohnungsmieter*innnen.

Bereits 2010 hatte es ein ähnliches Problem gegeben, als sich die damaligen Betreiber des Haus 73 am Wettbewerb um das Gebäude des Centro Sociale in der Sternstraße beteiligten – wohl wissend, dass sich das Centro Sociale ebenfalls beworben hatte, um weiter in dem Gebäude bleiben zu können. Das Haus 73 zog schließlich seine Bewerbung zurück, das Centro Sociale gewann den Wettbewerb und blieb. Eine entsprechende e Lösung braucht es aus unserer Sicht auch für den Schanzenstern. Und für diese werden wir uns auch einsetzen.

Ein soziales und solidarisches Miteinander im Stadtteil fängt damit an, dass man andere respektiert, dass man miteinander redet – und sie nicht als Konkurrenz aus dem Stadtteil herausboxt, nur weil die Gelegenheit günstig ist. Wer dies aber wie Herr Behrmann tut, der muss sich gefallen lassen, als Verdränger bezeichnet und dementsprechend auch kritisiert und bekämpft zu werden.

So geht’s nicht. Weder hier noch in anderen Stadtteilen.

Das Statement als PDF zum runterladen und verbreiten.

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