Hintergrund

St. Pauli: alles neu, alles gut?

St. Pauli unterliegt einem rasanten Wandel. Viele neue Gebäude sind geplant, alte Gebäude werden neu gemacht oder abgerissen, damit etwas Neues entsteht. Straßen, Plätze, Parks und Hinterhöfe erhalten ein anderes Gesicht. Keine Stadt ohne Veränderungen. Aber für wen bringen diese Veränderungen welchen Vorteil? Und wird St. Pauli in 10 Jahren noch so viele unterschiedliche Menschen und Gewerbe beherbergen wie heute? Wird es seinem Ruf als toleranter und lebendiger
Stadtteil weiterhin gerecht werden? Steigende Mieten, der Verkauf von Wohnungen, Häuser und Grundstücke verdrängen
Gewerbetreibende und die Bewohner_innen, die nicht ganz so tief in die Tasche greifen können oder aus anderen Gründen vermeintlich nicht mehr in den Stadtteil passen. Die meisten, die gehen, gehen nicht freiwillig. Sie gehören aber zu jenen, die den Stadtteil über Jahrzehnte geprägt haben. Wie geht eigentlich Veränderung, die Bewohner_innen mitnimmt, statt sie zu verdrängen?

Wer entscheidet eigentlich über die Zukunft von St. Pauli?

Die Entscheidungen über die Gestalt und die Zukunft des Stadtteils werden nur selten von den Menschen getroffen, die hier leben. Meistens verhandeln Politik, Verwaltung und Investoren, was als nächstes geschieht. In der Regel passiert dies hinter verschlossenen Türen. Und weil die Stadt über leere Kassen klagt und sich als unternehmerische Stadt versteht, können Investoren ihre Interessen sehr gut durchsetzen. Die Folge: Es wird in erster Linie über die Gewinne verhandelt. Soziale und kulturelle Aspekte sind nachrangig. Die Entscheidungen, die getroffen werden, haben oft weitreichende Folgen für Bewoh­ner_innen. Trotzdem müssen die Menschen aus St. Pauli sich entweder selbst informieren, was oft nicht ganz einfach ist, oder sie werden erst informiert, wenn die Grundsatzentscheidungen schon getroffen sind. Die wenigen Möglichkeiten, an Entscheidungen mitzuwirken, beschränken sich im Normalfall darauf, Anregungen und Bedenken zu äußern. Deren Beachtung hat allerdings einerlei Verbindlichkeit. Von dem Prozess der Entscheidungsfindung bleiben die Bewohner_innen ausgeschlossen.

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