Außerordentliche Stadtteilversammlung: G20 vorbei – und nichts ist gut

Der G20-Gipfel und die Proteste. Was war los, was folgt daraus?
Außerordentliche Stadtteilversammlung

Donnerstag, 20. Juli, 19 Uhr Ballsaal, Millerntorstadion
(Harald-Stender-Platz 1, Zugang Budapester Str. ggü. Detlev-Bremer-Str.)

Der G20-Gipfel war aus vielen Perspektiven ein gewaltförmiges Ereignis. In direkter Nachbarschaft zur Roten Zone um die Messehallen war dies aus unterschiedlichen Blickwinkeln spürbar: Durch die weltpolitische Situation und die Staatsgäste des Gipfels selbst, durch die ständige Präsenz von Polizeihubschraubern über unseren Dächern, durch massive Polizeigewalt gegen Protestierende und Anwohner*innen aber auch durch heftige Auseinandersetzungen auf der Straße und Zerstörungen im Stadtteil. Was war da los und wie haben sich diese Ereignisse aus unserer Sicht entwickelt?

Olaf Scholz gab eine Regierungserklärung ab, in der er die politische Verantwortung und Schuld für die Auseinandersetzungen am Freitagabend insbesondere der Roten Flora zuschob. Auch gegen andere Zentren und Projekte, die Schlafplätze oder Infrastruktur für Proteste bereitgestellt haben, hat der Senat bereits repressive Konsequenzen durchklingen lassen. Wie wurden die Auseinandersetzungen auf dem Schulterblatt am Freitagabend von Anwohner*innen und in der Roten Flora erlebt? Was haben andere Stadtteilinitiativen und -projekte wie z.B. das Gängeviertel jetzt zu befürchten? Wie fanden die verschiedenen Proteste statt und weshalb eskalierten welche Situationen?

Über das Schanzenviertel und St. Pauli ist in den letzten Tagen viel gesprochen worden. Immer mehr Aussagen von Senat und Polizei offenbaren sich inzwischen als Unwahrheiten. Jeden Tag werden neue, teils dramatische Details bekannt. Es gibt viele Verletzte, viele Menschen sind noch in U-Haft. Wir wollen eine eigene Sprache zu den Ereignissen rund um den Gipfel finden. Diese Einladung richtet sich nicht an staatliche Organe oder Parteien, sondern an die Menschen im Stadtteil. Sie ist auch keine Veranstaltung für die Medien, sondern sie soll ein möglichst freies Sprechen über das Erlebte möglich machen. Wir bitten die Presse, dies zu respektieren. Dass Nazis und faschistische Gruppierungen keinen Zutritt haben, versteht sich von selbst.

Die Stadtteilversammlung ist ein Ort des Zusammenkommens, um unsere Geschichten zu erzählen, sich gegenseitig zuzuhören und sich über Dinge, die wir selbst erlebt haben, auszutauschen. Wir wollen in einem solidarischen und respektvollen Rahmen, der unterschiedliche Blickwinkel zulässt, einen vollständigeren Gesamteindruck der Ereignisse gewinnen.

Es gibt im Stadtteil viele Erfahrungen, wie wir soziale und politische Ereignisse gemeinsam thematisieren und diskutieren. Wie wir unsere Projekte verteidigen und solidarisch füreinander und für alle, die sich hier bewegen, einstehen. Auch daran wollen wir am Donnerstag im Ballsaal des FC St. Pauli anknüpfen.

Zur Stadtteilversammlung laden ein:

St. Pauli selber machen, Wohl oder Übel, Arrivati-Park, Pudel Verein für Gegenkultur, Rote Flora, Initiative Schilleroper, Bewohner*innen der Hafenstraße, Bewohner*innen Wohnprojekt Gnadenkoppel, Centro Sociale, Keimzelle, Feldbunker-Ini, Initiative Esso-Häuser, Park Fiction, Initiative Jägerpassage.

Link zum Facebook-Event

Bericht zur Stadtteilversammlung


Wir freuen uns, wenn uns möglichst viele bei der kurzfristigen Mobilisierung für die Stadtteilversammlung unterstützen. Einfach die Einladung zur Stadtteilversammlung als PDF runterladen, ausdrucken und bei den Nachbar*innen an den Hauseingang kleben. Danke!

3 Kommentare

  1. Christian sagt:

    Ich schlage vor, die Rote Flora abzureißen und durch den Bau eines kommunalen Kindergartens und von Sozialwohnungen zu ersetzen, um die Kinderbetreuung und die Wohnungssituation in unserem Stadtteile zu verbessern. Zukünftige Versammlungen und Veranstaltungen der Floristen könnten dann immer im Ballsaal von St. Pauli stattfinden.

  2. alexandra sagt:

    dass ihr eine diskussion mit anwohnern initiiert, finde ich super. Da ich wg. krankheit leider nicht teilnehmen kann, möchte ich euch meine gedanken auf diese weise mitteilen. Der schock darüber, wie schnell gewalt in einen unkontrollierbaren dekadenten und menschenverachtenden rausch abgleiten kann, sitzt uns allen in den knochen. ironischerweise schlägt die zerstörung sogar als bumerang im eigenen viertel ein. wenn dieser schock nicht dazu bewegt, eingefahrene opferklischees zu hinterfragen, hat er nichts bewirkt. selbstverständlich tragen die welcometohell-initiatoren mitverantwortung. Sie und wir haben hautnah erlebt, dass eine rote linie illusion ist. das aggressive vorgehen der polizei ist absolut zu verurteilen. sich jetzt aber komplett hinter polizeigewalt, dem mob, riot-kids usw. zu verstecken, finde ich feige. es ist ziemlich unerträglich, wie sich auf indymedia damit gefeiert wird, die öffentlichen bilder während g20 dominiert zu haben. Das ist purer narzissmus und trägt, ebenso wie selbstbelobigungen der „kapitalismuskritischen angriffsgemeinschaft waitzstrasse“ für ihre gelungenen „demolierungen“ nicht gerade zur vertrauensbildung bei. politiker und st.pauli pastoren mit anthrax-drohungen zu überziehen, ist das allerletzte. distanziert euch von dieser ganzen gewaltscheisse, dann kann die flora liebend gerne bleiben.

  3. […] dass auch Rechtsradikale an den Gewalttaten beteiligt gewesen sein sollen. abendblatt.de (Küssen), st-pauli-selber-machen.de (Aussprache), welt.de (Linke Demo), swr.de […]